Mittwoch, 25. Juni 2008

Rapunzel, der böse Wolf, das Lebkuchenmännchen und andere Homies

Brothers Grimm

In einer Welt in der kein Aberglauben mehr existiert, die Ignoranz der Vergangenheit angehört und die Religionen nur noch blosse Erinnerungen sind, in der der Verstand obsiegt hat und uns die Vernunft leitet.... moment... sorry, war in Gedanken bei einem Science-Fiction Film.

Also in einer SOLCHEN Welt spielt "Brothers Grimm" definitiv nicht. Im Gegenteil; Wilhelm und Jakob Grimm (Matt Damon, Heath Ledger) leben im 19.Jahrhundert im von den Truppen Napoleons besetzten Deutschland und reisen durch die Fürstentümer des in viele kleine Reiche zersplitterten Staates. Die Zeiten sind hart und das Geld liegt nicht auf der Straße. Die Brüder verdingen sich als Exorzisten, Hexenaustreiber und Gespensterjäger. Dabei ist Wilhelm davon überzeugt, dass nichts Übernatürliches in der Welt existiert.


Wie mag das zusammenpassen? Betrug heisst das Zauberwort, denn wenn die beiden von einer Legende oder einem Märchen hören, gehen sie zu den Menschen, die glauben, der Antichrist klebe ihnen wie die Scheisse am Hacken und inszenieren einfach den ganzen Hokus Pokus; gegen Bares versteht sich. Danach wird noch schön gefeiert und ein paar Mädels lang gemacht, dann gehts weiter zum nächsten Kunden. Von dem Schwindel erfährt der regierende französische General (Jonathan Pryce). Da in Marbaden mehrere Kinder verschwunden sind, geht er davon aus, dass ähnliche Betrüger dort den selben Schabernack treiben. Jakob und Wilhelm bleibt nur die Wahl: Guillotine oder sie finden die Schurken. Ärgerlich nur, dass man vor Ort feststellen muss, dass in Marbaden die Volksmärchen Gestalt annehmen. Doch wie nimmt man es mit einer echten Hexe auf (Monica Bellucci)?

Terry Gilliam gehört zusammen mit Regisseuren wie Jean-Pierre Jeunet oder Guillermo del Toro zu der kleinen Gruppe Filmemacher, die eine ungeheure Energie im Erschaffen von Welten entfalten und besonders visuell ansprechend sind. Gilliam, der bei den Monty Pythons seine internationale Karriere begründete, lieferte uns beispielsweise Meisterwerke wie "Brazil", "Münchhausen", "Time Bandits", "12 Monkeys" oder "Fear and Loathing in Las Vegas".

Dummerweise liegt genau in diesem Erbe der Hase im Pfeffer, denn somit sind die Erwartungen an einen neuen Gilliam-Film sehr hoch. Obwohl "Brothers Grimm" größenteils sehr gut ausschaut und den besonderen Stil von Gilliam aufweist, so wirken einige Computereffekte billig und deplaziert. Zudem hatten seine Vorgänger meist eine sehr komplexe Handlung oder zumindestens eine komplexe Erzählweise zu bieten. Leider kommt "Brothers Grimm" eine Spur zu geradlinig und unspektakulär des Weges. Wirkliche Überraschungen in der Handlung erlebt man selten. Dafür kommt keine Langeweile auf, die Sets strotzen nur so von phantasievollen Details, Humor und Blutgehalt stimmen, der Soundtrack betont zusätzlich den düsteren Anstrich des Films, die Schauspieler sind toll besetzt und die Figuren Gilliam-typisch herrlich skurril.

Tolle Adaption von Grimms Märchen mit den Schriftstellern als Hauptfiguren, die jedoch nicht der ganz große Wurf geworden ist. Wer "Sleepy Hollow" mochte, wird auch hiermit seine Freude haben.

7 von 10 Zauberbohnen

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