Donnerstag, 22. Mai 2008

Jungle Hunt - the Movie

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Totgesagte leben länger. Und Indiana Jones wurde schon so manches mal zu Grabe getragen. Damals, Ende der 80er als der letzte Kinofilm "... und der letzte Kreuzzug" anlief, dann nochmal als die für damalige Verhältnisse überaus gut produzierte Serie "Young Indiana Jones Chronicles" eingestellt wurde.

Heute taucht Indiana Jones, respektive Harrison Ford, auf der Leinwand auf und verlängert doch noch einmal die Liste der Kinoabenteuer des Peitschenschwingers. Dabei geht es actionreich zu, wie gewohnt: Indy muss sich diesmal der Russen und nicht der Nazis erwehren, begibt sich in Vervolgungdjagden, überlebt gerade so eine Atombombenexplosion, ist auf der Suche nach uralten Artefakten, lässt wieder einmal antike Gebäude zerbröseln und... aber von vorne:

Indiana Jones wird von der Russin Dr. Spalko (Cate Blanchet) und ihren KGB Spießgesellen 1957 gezwungen sie zu einem Fundstück zu führen, das die USA nach einem UFO Absturz (Roswell, ya know?!)in einer uns wohlbekannten Lagerhalle aufbewahrt. Obwohl Indy natürlich die Pläne der Russen zu durchkreuzen versucht wird er vom FBI ins Visier genommen und von seinem Lehrstuhl auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Bevor Indy sich jedoch aus dem Staub machen kann um ein paar ruhige Tage zu verbringen taucht auf einmal der Jungspund Mutt (Shia LaBeouf) auf, der ihm berichtet, dass Indys Kollege Prof. Oxley vermisst wird, seit dieser in Südamerika Forschungen nachgegangen ist. Zudem ist auch der Kontakt zu Mutts Mutter Marion Ravenwood (Karen Allen)abgebrochen. Und siehe da: auch die Russen tauchen wieder auf und kleben Indy wie Scheisse am Hacken. Also auf nach Südamerika und der Sache nachgegangen!

Der neue Indy Streifen tut es sich sichtlich schwer mit seinem Erbe. Die letzten drei Filme, alle entstanden in den 80ern, haben ein großes Publikum, das oft die Filme - oder wenigstens ".. und der letzte Kreuzzug" damals sogar noch im Kino gesehen hat. Somit sind die Erwartungen gerade auch durch die nostalgisch verklärten Erinnerungen von vielen an die Vorgänger auch mit Sicherheit das größte Problem des Films. "Wie doof, dass das Russen waren und keine Nazis! Der gegelte Mutt passt nicht rein! Was soll der Scheiss mit den Ausserirdischen, das passt nicht zu Indiana Jones und ist zu unrealistisch!"

Meiner Meinung nach wurde das Szenario durchaus gut gewählt. Da Harrison Ford nun 65 ist konnte man so oder so keine Story schreiben, die noch im zweiten Weltkrieg spielt und die Nazis auf den Plan gebracht hätte. Somit sind die Russen im eiskalten Krieg durchaus ein guter Ersatz, zumal sie auch in der Realität nicht zimperlicher wie das braune Pack waren. Aber Nazis lassen sich nunmal einfacher hassen. Auch die 50er sind gut in Szene gesetzt. Indy ist ganz der alte Professor, wie wir ihn kennen, aber thematisch passen Atombombentests, aufkommende UFO-Manien, Motoradkult und Mutt, der Grease geradezu entsprungen zu sein scheint, gut in diesen Film hinein.

Auch die Ausserirdischen sind nicht wirklich unrealistischer als die anderen Filme. Schließlich kratzen die Geister aus der Bundeslade, die Macht bringenden Steine von Pankot oder der heilende Heilige Gral, der ewiges Leben gewährt, ja auch ganz kräftig an der Realität. Bei aller Liebe zu Mythen und Legenden: Ausserirdische sind dann doch noch glaubhafter als Geister und Jesus Kelch, der das Leben verlängert. Zudem sind die UFO Sichtungen moderne Mythen und werden hier geschickt mit der Theorie verknüpft, dass die Ureinwohner Südamerikas mit ihrer Hilfe Pyramiden und die Quadratkilometer großen Bildnisse in der Landschaft erschufen.

Schauspielerisch gibt es nicht viel zu meckern. Harrison Ford trägt den Film locker mit seiner Darstellung des Indy und wirkt nie aufgrund seines Alters deplaziert. Karen Allen wirkt leider nicht mehr so kämpferisch und kraftvoll wie im ersten Film. Shia LaBeouf macht eine sehr gute Figur, hat aber das Problem, dass Mutts Rolle im letzten Drittel nur noch dabei ist und aus dem aktiven Geschehen in den Hintergrund rückt. Von John Hurt hätte ich auch gerne mehr gesehen, da der verwirrrte Professor Oxley durchaus Charme hat. Ray Winstone bleibt während des ganzen Films blass und wirkt leider sehr austauschbar. Auch Cate Blanchets Bösewichtin hätten ein paar Filmminuten mehr nicht geschadet, da auch sie so recht zweidimensional daher kommt.

Und genau das ist auch der große Haken des neuen Indy Films: im letzten Drittel wird die Kommunikation zwischen den Figuren auf das nötigste reduziert, weshalb der Indy typische Wortwitz sehr ins Hintertreffen gerät. Hätte man sich hier mehr Zeit genommen für ein paar Details der Figuren, hätte man eine Menge herausreissen können. Und für einen guten Film sitze ich auch gerne zehn Minuten länger im Kino.

Die Optik des Films hingegen weiss durchaus zu begeistern. Dadurch, dass der Film zunächst auf altem analogen Material gedreht und erst dann digitalisiert wurde, sieht der Film auch älter aus und reiht sich so besser in Riege der Indy-Filme ein. Die Effekte aus dem Computer wurden auch sehr sparsam eingesetzt, was bei einer Ko-Produktion von Spielberg und Lucas nicht gerade zu erwarten ist. Generell unterstreichen die Effekte den comicartigen Touch der Reihe und es sieht nie auf Hochglanz poliert aus.

Dennoch handelt es sich bei "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" um den schwächsten Teil der Reihe knapp hinter "Tempel des Todes". Bleibt zu hoffen, dass wie bereits hier und da angedeutet vielleicht doch noch ein fünfter Teil kommt und dem Franchise wieder zu altem Glanz verhilft. Neben dem neuen Indy gehört "Vermächtinis des geheimen Buches" aber durchaus noch einmal abgewertet, da er deutlich schlechter in Idee und Ausführung ist, als der alte Peitschenschwinger.

Wer ins Kino gehen will, sollte einen kurzweiligen Actioner erwarten und sich von der Vorstellung lösen, es müsse ein zweiter "...und der letzte Kreuzzug" präsentiert werden. Dann klappts auch mit dem Spass haben.

7 von 10 Peitschenhieben

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