Freitag, 30. Mai 2008

Bundeswehr Im Wald Ausser Kontrolle

Kein Bund für´s Leben

"ERSTES STABS- UND SOLDATENVERNICHTUNGSBATAILON 5! VOR DEM GEBÄUDE AAAAAANGETREEETÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄN!

So, ihr Maden, ich als euer Hauptmann habe euch etwas Wichtiges mitzuteilen. Nachdem ich gestern wie jeden Tag meine Lieblingskomödie "Die durch die Hölle gehen" gesehen hab, offerierte mir mein Eheweib, dass sie sich scheiden lassen will. Aus diesem Grund war ich gestern ab 22hundert äusserst unbefriedigt. Da aufgrund meines anhaltenden Kommandotons keine Nutte in der Stadt mehr mit mir in die Kiste geht bin ich also gezwungen meine Launen ab sofort an euch alleine auszulassen. Du, du bis du da hinten, ich geht nun in die Waffenkammer und schießt euch den Schädel weg. DU, DU und DU, ihr holt schonmal Putzzeug. Der zweite Zug marschiert mit vollem Gepäck einen 200 km Leistungsmarsch. SCHAUT NICHT SO DUMM AUS DER WÄSCHE, IHR ELENDES GESCHMEISS! Wenn ihr wie Weiber ausseht, behandle ich euch halt auch so. WAS?! Ein Paar von euch SIND Frauen?! Das wird ja immer schlimmer!!! So, der dritte Zug schleppt meinen Lieblingspanzer von einem Ende der Kaserne zum Nächsten! Ach ja, die verhinderten Wehrdienstverweigerer rausgetreten und in mein Büro. Mir ist ein wenig nach Arschficken! ---
AUSFÜHREN!"

Ungefähr so scheinen sich die Drehbuchautoren wohl die Bundeswehr vorgestellt zu haben als sie ihre Verweigerungserklärung tippten. Keine Sorge, ganz so schlimm sind die Dialoge im Film dann doch wieder nicht, aber es kommt nahe dran. So ziemlich jedes Klischee, das sich irgendwie verwerten liess fand im Drehbuch seinen Platz. Dabei hat das Ganze so viel mit der Bundeswehr zu tun, wie ein Eunuch mit einer Vaterschaftsklage. Richtig: nahezu nichts! Das fängt mit der Gruppenmusterung und der Bekanntgabe der Ergebnisse an, geht bei Rivalitätsmanövern mit den US-Kollegen weiter und will einen Glauben machen, dass sich die Herren Offiziere einen Privatpanzer vor die Kajüte rangieren lassen. Ja ne, is klar!

Worum gehts eigentlich? Basti Lämmle (Franz Dinda) und Schleifer (Florian Lukas) haben keinen Bock auf Bundeswehr und wollen verweigern. Während der eine sich einfach nur saudumm anstellt, wird Lämmle von seinem besten Freund gelinkt, der einfach den Verweigerungsbrief nicht abschickt, weil er auf dessen Freundin scharf ist. Die Folge: mitten auf der schönsten Party kommen die Feldjäger vorbei und schleppen Lämmle wie er vor ihnen steht einfach mit. So ein Unding aber auch! In der Kaserne stellt er erneut Antrag auf Verweigerung, aber "dummerweise" dauert die Bearbeitung so etwa sechs Wochen. Was folgt ist angekündigter "Dummfick". Nun ja, zumindest wirds erwähnt. Wenn Basti nicht noch den Pausenclown aus der letzten Bank geben würde, wäre sein Leben deutlich einfacher. Aber um Intelligenz geht es nicht in dieser Komödie. Zusammen mit Schleifer, Ufo (Axel Stein), dem zeichnerisch begabten Justus, Zonk, der zum BND will und Aushilfs-Rambo Nefzat landet Basti auf einer Stube. Obwohl sie sich zunächst nicht riechen können, werden sie irgendwann aus unerfindlichen Gründen ganz töfte Kameraden, was irgendwie ein bisschen bei der fehlenden Charakterentwicklung unter geht. Nun denn, die Kacke ist so richtig am Dampfen weil Major Hauptmann (was ein Gag, schade, dass Jäger Schnitzel nicht dabei war... oder der Major Naise) jedes Jahr im Wettstreit mit der benachbarten US-Kaserne liegt und jedes Jahr verliert. Kein Wunder, schliesslich sind bei der Bundeswehr nur Luschen und die GIs sehen aus als würden die formgepresst aus einer Fabrik von Arni Schwarzenegger kommen. Dieses Jahr ist Major Hauptmanns letzte Gelegenheit vor der Pension den Amis mal zu zeigen was der Hammer für einen Stecken hat. Und ausgerechnet Bastis Stube soll antreten. Na Prost Mahlzeit, das kann ja nur schief gehen.

Und schief gegangen ist bei der Produktion von DIESEM Film einiges. Die schauspielerische Leistung ist es noch nicht einmal, die das Vergnügen so herunter zieht. Hin und wieder ist auch mal ein Gag dabei, der zündet, doch leider viel zu selten. Die Geschichte ist dermassen abgedroschen, dass man nie auch nur im Ansatz überrascht wird. Alles ist dabei: stets brüllende Vorgesetzte, ein narzistischer Major, der Kofferträger (oder in diesem Fall der Hundeträger) des Häuptlings, die bösen AmiSoldaten, Witze mit dem weiblichen Personal und der kaum zu vermeidende Adolf-Witz - Gähn. Die Streiche, die immer wieder gespielt werden, lassen die Vermutung aufkommen, dass die Autoren sich beim neulichen DVD Abend einmal zu viel "Police Academy" gegeben haben und dachten, dass das doch unglaublich innovativ wäre, das Selbe mit der Bundeswehr zu machen. Wie in keinen Film aus deutschen Landen fehlt hier die obligatorische Liebesgeschichte, die aber glücklicherweise nicht in vollen Zügen ausgekostet wird. Aus irgendeinem Grund kommt keine unserer Produktionen ohne dieses unnütze Element aus. Apropos unnütz: im letzten Drittel des Films kündigt die Ex von Basti an, dass sie mit allen Mitteln um ihn kämpfen werde, taucht ab da aber im Film nicht mehr auf. Klingt als hätte man es sein lassen können diese Szene überhaupt zu drehen.

Selbst die bescheidensten Tage im Grundwehrdienst waren lustiger als dieser Film (und ich wollte ursprünglich auch verweigern).

Wer einen Eindruck davon haben möchte, wie es wirklich bei dem Chaotenhaufen sein kann, der möge sich hier den Comic zum Thema ziehen:

http://v29827.1blu.de/~bd/index.php?site=files&cat=4


2 von 10 Picard-Manöver

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