Samstag, 29. März 2008

No Country For Old Men

Es gibt wenig Duos, die lange zusammenarbeiten und äußerst produktiv im Filmgeschäft sind. Und Brüder sind da noch seltener. Da wären im Action-Genre die Wachowsky Brothers, die aber in den letzen Jahren doch sehr nachgelassen haben, die Farelly-Brothers, die das Gesicht der Komödie in den letzten 15 Jahren deutlich mitgeprägt haben und die Cohen-Brüder Ethan und Joel. Zwar gingen auch sehr humorvolle Filme auf deren Konto, doch sind deren Werke eher dem Drama zugehörig. O Brother where art thou, Ladykillers, Fargo, The Big Lebowski und The Man who wasn´t there bilden einen guten Querschnitt durch das Schaffen der Brüder.

Zwar fehlt es "No Country For Old Men" nicht an einigen humorvollen Elementen, doch handelt es sich eher um ein düsteres Drama.

Anfang 1980: Llewelyn Moss (Josh Brolin) trifft auf einem Jagdausflug in Texas auf den Schauplatz eines Verbrechens. Mexikanische und Amerikanische Outlaws wollten einen großen Drogendeal abwickeln, gerieten aber anscheinend aneinander. Jedenfalls sieht sich Llewelyn von Leichen umgeben. Da sich niemand mehr für die zwei Millionen Dollar zu interessieren scheint nimmt er den Geldkoffer mit. Dadruch löst er eine Kette von unglückseligen Ereignissen aus. Sowohl die Mexikaner als auch das amerikanische Syndikat kommen auf seine Spur. Das Syndikat schickt jedoch nicht seine eigenen Männer, sondern zwei Auftragskiller los: den humorlosen und gefühlskalten Anton Chigurh (Javier Bardem), der alles und jeden aus dem Weg räumt, der ihn bei seiner Arbeit stört, und Wells (Woody Harrelson), der eher subtilere Methoden anwendet. So entbrennt eine erbarmungslose Jagd durch Texas und es wird schnell klar, dass nur einer von dreien überleben kann.

Zusammengehalten wird der Plot durch den kurz vor der Pension stehenden Sheriff Tom Ed Bell (Tommy Lee Jones), der versucht das Morden zu beenden, dabei aber nur seinen dilletantischen Nachfolger als Unterstützung hat und vollkommen überfordert ist.

Die langen, langsamen Einstellungen und Wechsel von Totalen und Nahaufnahmen erinnern besonders am Anfang doch recht stark an Leone, was mit Sicherheit durch die texanische Landschaft, in der man eher Cowboys denn Autos erwarten würde, noch verstärkt wird. Hinzu kommen äusserst sparsam eingesetzte Dialoge, die ebenfalls typisch für Leone waren. Hin und wieder darf der Killer Chigurh geradezu Tarantinoeske Dialoge führen, die zusammen mit dem inkompetenten Deputy soweit die humorvollen Elemente abdecken.

Zu Beginn hören wir des Sheriffs Stimme aus dem Off. Er erzählt von alten Zeiten als sein Vater und sein Großvater Sheriffs im County waren. Sie hätten die Verbrecher immer ohne Waffen gefasst und die Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Sherriff Bell fragt sich, wie sein Vater handeln würde an seiner Stelle, nun da die Verbrechen so anders geworden sind. Die Ohnmacht des Sheriffs spiegelt sich in seiner Dienstwaffe wieder. Alle anderen Figuren sind mit Halbautomatischen oder Automatischen Waffen bewaffnet, Chigurh benutzt gar eine Schrotflinte mit Schalldämpfer und metzelt alles nieder. Dagegen wirkt der Sheriff mit seinem Pistölchen geradezu deplaziert. Hinzu kommt, dass die nachfolgende Generation von Gesetzeshütern als dumm und unfähig dargestellt werden, somit also auch kein ebenbürtiger Gegner für die Outlaws in Zukunft erwachsen wird.
So wird der Sherrif zum Beobachter degradiert, der nur die Reste aufsammeln darf. So verwundert es nicht, dass Bell im Epilog des Films desillusioniert und resigniert zugeben muss, dass dies kein Land mehr für die alten Männer und deren Gesetz ist und er sich freut den Weg zu seinen Ahnen anzutreten. An die Stelle der alten Moralvorstellungen treten Figuren, die Leone typisch nie wirklich gut sind. Wenn man von den Killern absieht, bei denen einer vollkommen bar Emotion ist und der andere es wirklich nur als "Tagesgeschäft" sieht, ist auch Moss keine Figur mit Vorbildfunktion. Er repräsentiert die selbstüberschätzenden Egoisten, als er das Geld nimmt, obwohl ihm klar ist, dass dies tödliche Konsequenzen für ihn und seine Frau haben kann.Für das Geld riskiert er bereitwillig auch das Leben aller Mitmenschen, mit denen er in Kontakt kommt.

Zwar langsam erzählt, weiss der Film mit spannenden Shoot-Outs und einer Menge expliziter Gewaltdarstellung durchaus Kurzweil aufkommen zu lassen (hoffentlich liest Beckmann das nicht).

"Mein Name ist Nobody" war in den 70ern Leones Abgesang auf den Western bzw. den etablierten Typus des Westernhelden. Ähnliches kann man von "No Country For Old Men" behaupten, in dem ebenfalls gealterte Heldenfiguren zu Grabe getragen werden; verdrängt vom indiskutablen Nachwuchs. Wenn man bedenkt dass die Cohen-Brüder etwa zur selben Zeit in Hollywood tätig wurden, in der der Film spielt und die beiden dieses Jahr 51 und 54 werden, könnte man fast meinen, dass sich in Sheriff Bells Worten am Schluss auch ein wenig ihre Meinung vom Filmgeschäft unserer Tage widerspiegelt. Aber noch ist Hollywood ein Land für alt werdende Filmemacher.

The Cohen´s are back!

9 von 10 Peilsender

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