Montag, 18. Februar 2008

Herr der Ringe - Die Gefährten

Der Herr der Ringe (ein nicht ganz ernst gemeinter Rückblick)
nach einer Nacherzählung eines Kerls, der nen Typ kennt, dessen Geliebte mal ein Verhältnis mit einem hatte, der einen kannte, der sich das Buch gekauft, den Einband gelesen und dann ins Regal gestellt hat.

So oder so ähnlich müsste eigentlich der Film im Vorspann angekündigt werden. Wäre wenigstens ehrlich. Denn nach dem Genuss dieses Machwerks hat man den Eindruck, dass die Macher gar nicht so recht im Bilde waren, was sie da machen. Oder der Druck durch das Studio war so groß, dass Peter Jackson sich zugunsten des Budgets prostituieren musste. So viel zum künstlerischen Anspruch, der immerzu im Kampf mit den ökonomischen Anforderungen steht. Dazu später mehr, wenn die Beispiele auftauchen.

Die Bücher sind wunderbar und wirklich jedem zu empfehlen, der gerne liest und Fantasy mag. Der Film ist eher was für Masochisten oder Leute, die das Buch nicht kennen und sich daher deutlich seltener wundern müssen, warum das auf der Leinwand Gezeigte mal gerade wieder null Sinn gemacht hat.

Zur Story der ersten beiden Bücher, die den ersten Band "Die Gefährten" und die Grundlage für Teil eins der Trilogie bilden:

Bilbo Beutlin ist ein Hobbit der auf früheren Reisen einen magischen Ring gefunden hat. Der Ring verlängert sein Leben und wenn er ihn trägt wird er unsichtbar. Dummerweise macht der Ring aber auch abhängig. Er verwirrt den Verstand und führt seinen Besitzer ins Verderben. Ursprünglich gehörte der Ring dem dunklen Herrscher Sauron, der all seine Macht an den Ring band um Mittelerde zu unterjochen. So weit so gut. Allerdings ging Sauron des Ringes im letzten großen Krieg verlustig, als seine körperliche Hülle vernichtet wurde. Bilbo indes verspürt 1000 Jahre später, dass es ihn wieder auf Reisen zieht. Auf seinem 111zigsten Geburtstag macht er sich mit großem Getöse aus dem Staub und hinterlässt seinem Neffen Frodo den Ring. 
Doch - HURRA - Sauron ist wieder da und rüstet mächtig auf. Ein neuer großer Krieg steht bevor als Sauron gewahr wird, wo sich der Ring befindet und seine neun Ringgeister auf den Weg ins Auenland schickt. Wenn er den Ring in die gierigen Griffel bekommt ist Mittelerde verloren. So beschließen Frodo und der Zauberer Gandalf, dass der Ring vernichtet werden muss und man begibt sich auf eine lange abenteuerliche Reise um Mittelerde zu retten.

Zu Beginn des Films werden wir direkt mit einer töften Zusammenfassung der Ereignisse seit der letzten Schlacht um Mittelerde in Kenntnis der Umstände gebracht. Wie dem Zeichentrick von 1978 steht dieser Anfang dem Film ganz gut. Dabei weiss Jackson hier mit der fast am besten choreographierten Schlacht der drei Filme aufzuwarten. Wahrscheinlich ist es einfach im Rückblick so angenehm, dass das Gemetzel nur drei Minuten geht und keine Stunde, dabei aber kaum weniger Story erzählt... hüstel. Allerdings begeht Jackson geradezu ein Sakrileg als er Sauron in voller Pracht zeigt. Im ganzen Buch wird seine Gestalt mit keiner Silbe beschrieben. Er taucht immer nur in nebulösen Erzählungen auf. Im Zeichentrick wurde er wenigstens nur als Schatten gezeigt. So verliert die Figur eine Menge ihres Schreckens. Das Unbekannte ist immer gruseliger als der Freddy, der gerade in die Kamera linst und nen lockeren Spruch absondert.

Kaum ist der Vorspann überstanden kommt Gandalf mit seinem Kaffefilterhut, mit dem sicherlich dufte Elefanteneinläufe gelingen, ins Bild. Hieran schließt sich eine recht langatmige Einführung an in der das Auenland gezeigt und über die Hobbits geschwooft wird. Nun denn, immerhin bemüht sich der Regisseur wenigstens hier ein bisschen um Atmosphäre. Die zuckersüße Unbeschwertheit der Hobbits zersetzt munter die Zähne der Zuschauer. Wenn ich jemals wieder bei dieser Szene von einer Tussi "Guck mal wie süüüüüüüüüß die doch sind" hören muss, wird das in einem Blutgericht enden. Die sind nicht süß! Das sind häßliche verfressene Furzknoten mit Pfeife im Maul! So!

Bei Buchverfilmungen ist es im allgemeinen so, dass oft Passagen gekürzt oder etwas abgewandelt dargestellt werden müssen, da diese beiden Medien sehr unterschiedlich funktionieren. Meiner Meinung nach ist dies Peter Jackson nur bedingt gelungen. Zum Teil wird sinnvoll gekürzt und nur die wichtigsten Infos an den Zuschauer weitergegeben um den Erzählfluss in einer gewissen Geschwindigkeit zu halten, wie das bspw. bei dem Aufenthalt der Gefährten in Lothlorien bei Galadriel geschehen ist. Dann aber wieder wird Screentime verschwendet ohne Ende. Zu Beginn wird bspw. zweimal das Thema aufgegriffen, dass Bilbo nicht mit den Sackheim-Beutlins, verhassten Verwandten, zusammentreffen will. Da dem Zuschauer die komplette Befreiung des Auenlandes vom Ende des Buches vorenthalten wird, werden diese Figuren eh null und nichtig, sodass man sich das wirklich hätte sparen können.

Überhaupt wirkt der komplette Beginn etwas holprig, da möglichst viele Figuren in kürzester Zeit eingeführt werden. Merry und Pippin beispielsweise stellen Bilbos Geburtstagsfeier auf den Kopf; mutieren allgemein zu Pausenclowns und Tunichtguts, deren Rollen ein wenig deplaziert wirken. Im Buch sind sie Freunde, die auf Frodo aufpassen und auch allgemein eher etwas mehr Grütze im Hirn aufweisen können. Skurril mutet es an als die beiden Sam und Frodo auf ihrer Reise begleiten. Pippin und Merry stehlen Obst und Kürbisse von einem Bauern und flüchten vor ihm, rasseln dabei mit Sam und Frodo zusammen. "Ei gudn, mer wollte eigentlich nur was zum spachteln, aber wenn ihr grad da seid... wo gehts hin? Wir haben grad nix besseres vor und kommen einfach mal mit!" Ah ja, genau... so mach ich das auch immer, wenn ich irgendeinen Deppen auf der Straße treffe, den ich kaum kenne. Die Motivation der Figuren bewegt sich also etwa um den Nullpunkt, eventuell für Frodo draufzugehen, der im Film NICHT ihr bester Freund ist. Sowas steigert die Glaubwürdigkeit ungemein.

Zwischen den beiden Besuchen Gandalfs bei Frodo zu Beginn des Films liegen im Buch etwa 13 Jahre in denen er Recherche betreibt. Im Film reitet er weg, liest ein Buch, weiss Bescheid und kommt zurück - wozu der Umstand, bring dir die Lektüre doch mit. Dabei erzählt er von den Folterungen Gollums als hätte er neben Sauron gestanden und Tips gegeben wo es am meisten weh tut. Mit keiner Silbe wird erwähnt, dass er seinerseits Gollum in die Griffel bekam und ihn verhört hat. Somit mutiert Gandalf zum Orakel von Delphi, der dank seiner wirren Haare eher an den Weihnachtsmann auf Dope erinnert. Allerdings auch nicht die schlechteste Interpretation.

Im Buch wird ein Plan ausgeheckt, dass Frodo zu seinen Verwandten bei Bree zieht. Das Haus wird verkauft und er zieht mit der Hilfe von Sam und Pippin um. Fortan soll er einen Decknamen nutzen damit eventuelle Spione des Feindes ihn nicht erkennen. Ob schon jemand nach ihm sucht ist selbst Gandalft nicht ganz klar. Von daher soll alles entspannt ablaufen um den Schein zu wahren.
Im FILM hat der alte Zauberzausel geradezu feldbusche Ideen. Er weiss, dass die Reiter des Feindes nicht weit sind und will mal kurz bei seinem Chef Saruman vorbeischauen, weil der eventuell weiss was im Block so abgeht. Anstatt dann Sam und Frodo einzupacken und einfach zum Abteilungsleiter für Zaubereien mitzuschleifen, macht kommt ihm nicht in den Sinn. Dafür sollen die beiden alleine nach Bree latschen, um sich dort mit ihm wieder zu treffen. Is klar, is auch sicherer für die beiden Rambos, wenn sie allein unterwegs sind. 
Die Wanderung nach Bree gestaltete sich im BUCH zu einer regelrechten horrormäßigen Hetzjagd. Spannend, man konnte sich immer wieder gruseln auf deren langen Weg nach Bree. Da Jackson aber schon eine Dreiviertelstunde Zeit mit der Geburtstagsfeier verschlampt hatte, musste der spannende Teil leiden. Einmal durchs Maisfeld, von Merry und Pippin über den Haufen gerannt, der dunkle Reiter kommt des Wegs und verschwindet wieder, es wird innerhalb einer Minute sowas von Nacht, dass es ganz schön kalt geworden sein muss und man sprintet zur Fähre, die nach Bree übersetzt. Ja wie jetzt? Das wirkt ja als solle Frodo sich inkognito im Nachbardorf zwei Kilometer weiter verschanzen bis Gandalf wieder auftaucht. Da kennt man den laufenden Meter bestimmt nicht und nimmt ihm seinen Decknamen bestimmt ab. An der Stelle ist es natürlich praktisch, dass die Karte von Mittelerde im Film nur zweimal kurz gezeigt wird. Dann kann der Zuschauer auch nicht stutzig werden bei den Entfernungen und Zeitmaßstäben.

Das Ende vom Lied solcher Sequenzen? Es wirkt als wären die Szenen total zusammengestückelt worden. Dadurch geht dann natürlich auch die Spannung flöten. Im Telegrammstil würde auch kein Buch spannend werden.
Imperator Saruman macht auch sogleich eine super Figur, als der HdR mal kurzerhand einen auf Matrix macht. Der Kampf zwischen Gandalf und Cheffe ist dermassen zwerchfellreizend, dass ich doch kurz dachte eine Parodie und keine Adaption des Buches zu sehen. Im BUCH haben wir einen subtilen Kampf zweier großer Geister, die sich gegenüberstehen und versuchen sich nur mittels ihrer geistigen Kräfte zu überwinden. Wahrscheinlich dachten sich die Macher, dass man den Intellekt der Zuschauer nicht allzu reizen dürfe. Und um die selbigen nicht zu überfordern entstand auch die Flammenaugen-Version von Sauron. Wie gesagt: im BUCH wurde fast alles über ihn im Dunkeln gelassen. Hier sieht er aus wie eine aus den Fugen geratene Bindehautentzündung, die Licht wie eine Flutlichtanlage wirft. Cool, soll das eine Referenz auf Cyclops aus X-Men sein? Seinen Orks, die eine ausgewachsene Lichtallergie haben, geht er damit aber bestimmt prächtig auf die Eier.

Überhaupt wird zu vielen Ereignissen aus den späteren Büchern bereits vorweggegriffen. Das Aufrüsten Sarumans oder dass er über einen Palaantir verfügte. Das ist eine Art Stein, durch die man mit anderen Steinen dieser Art kommunizieren kann. Quasi die Fantasyversion einer Webcam mit Skype-Applikation. Hmmm bei näherer Betrachtung ja ein Science-Fiction Element. Wo war ich? Ach ja, Spannung erzeugt man oft dadurch, dass der Zuschauer nicht weiss was los ist. Das unbekannte Grauen ist faszinierender als das das man kennt. Im Buch erfährt der Leser nur das was auch die Gefährten wissen, da die gesamte Geschichte nur aus deren Blickwinkel erzählt wird; logisch - schliesslich ist dies ja ein Reisebericht. Für Interviews mit den pöhsen Purchen war leider keine Zeit geblieben. Der Film bricht mit dieser Erzählweise, was sich aber nicht positiv auswirkt. Wenn Saruman gezeigt wird, wie er mehr oder weniger in einem mit Schlamm angefüllten Bottich ein paar neue Orks anrührt, ist Trashfeeling pur angesagt. Biolek empfiehlt übrigens zur trendy Orklaichsuppe einen 2003er Chardonay.

Unvergesslich auch die Szene im Tänzelnden Pony in Bree. Merry weiss nichts von Frodos Decknamen (da hätte man auch mal vorher drüber reden können) und plaudert den richtigen Namen aus. Anstatt einen auf cool zu machen gerät Elija -Stock im Arsch- Wood dermassen in Wallung, dass er sich auf die Fresse legt, der Ring fliegt hoch in die Luft und saust wie eine Cruise Missile mit Wärmedetektor auf E.T.s Finger. Cool. Das Zielwasser sollten sich die Sturmtruppen in den Star Wars Filmen auch mal reinziehen.

Hiermit kommt auch endlich Streicher ins Spiel, der nur mäßig überzeugend von Viggo Mortensen dargestellt wird. Hey, der durfte vorher nicht umsonst nur Bösewichter spielen.. bei der Visage kein Wunder. Nun denn, Streicher ist da, und die Hobbits sind fortan mit ihm "on tour". Warum sie mit ihm gehen wird nur am Rande erwähnt, weil man auf die komplette Einführungsszene der Figur mal dezent geschissen hat. Is halt ein Kumpel vom Gandalf.... sagt ER. Nach einigen Tagen wandern wirft Meister Spurenleser völlig unmotiviert den kleinen Wichten ein paar Schwerter hin. Is klar, die Reiter kommen ja drei Seiten im Drehbuch weiter um die Ecke. Dass man sich zu Beginn einer Reise ausrüstet macht eigentlich mehr Sinn. Aber halt.... auf die Einführungsszene hat man ja verzichtet. Hatte ich ja schon fast vergessen. An der Wetterspitze kommt es sogleich nach der Waffenausgabe zum vorläufigen Finale Doof, als Streicher mal so nebenher fünf Ringgeister mit seiner Fackel plättet. Alles klar. Kann man nur hoffen, dass Sauron denen nicht zu viel Sold zahlt. Ist ja schlimmer als in Kung-Fu Filmen wo die Guten mit der Axt im Rücken noch 20 Gegner killen bevor sie selbst den Löffel abgeben.

Nun da Frodo japsend mit dem Stück Morgul-Metall in der Schulter auf dem Boden liegt kommt auch schon die Waldfee um die Ecke. Arwen Abendstern gibt sich die Ehre in gefühlten 90 Filmminuten einem auf den Sack zu gehen. Da sie im dritten Film das neugeschmiedete Schwert Isildurs überbringen lässt, könnte man sie analog zur Arthus-Sage auch als die "Schlampe vom Tümpel" des Films bezeichnen. Warum die Rolle von Arwen von drei Zeilen Text im Buch auf sowas hochgepumpt wurde ist klar: die Damen sollen ja auch eine anständige Liebesgeschichte zu sehen bekommen. Ok, verschwenden wir noch etwas mehr Zeit mit unnötigem Kram, der den Film kein Jota voran bringt. An der Stelle noch ein schönes Logikloch: In Bree wird ein Pferd mitgenommen. Nachdem die Reiter da waren ist das Pferd verschwunden. Warum? Na klar: sonst wäre Arwen ja nicht nötig. Denn die hat glücklicherweise ihr Pferd dabei, das Frodo nach Bruchtal bringen muss. Und das aber zackig. Schließlich wollen die Ringgeister noch eine Verfolgungsjagd hinlegen. Im BUCH hat Frodo hier eine seiner ersten wirklich starken Szenen als er den Ringgeistern trotzt. Hier liegt er schlaff wie ein erschlagener Hase auf dem Rücken des Pferdes und Liv Tyler muss noch ein paar Minuten mehr ihr Gesicht in die Kameralinse quetschen. Alde, du nervst. Und warum du wegen nem vollkommen Fremden auf einmal rumflennst, als säßest du auf einer Planke im Arktischen Meer und müsstest zusehen wie dein Stecher gerade den Schwanensee im Tiefseevollzug aufführt, ist mir unbegreiflich. An der Stelle hätte sie eigentlich froh sein müssen, dass der dämliche Ring wenigstens nicht flöten gegangen ist.

Frodo liegt nun in Bruchtal darnieder und wird bei seinem Erwachen von Gandalf begrüßt. Hey, du knorke Type, wo warst du denn die ganze Zeit? Sodann gibt Gandalf sein Seemannsgarn von der Errettung durch einen Adler zum Besten. Allerdings nur im Bild.. ein erklärender Dialog, warum ihn ein in der Nähe eines AKWs grossgezogener Flattermann von der Zinne Isengarts pflückt, spart man sich. Ach…. ist bestimmt nicht mehr wichtig für später. Das ganze leitet zu einer herzerweichenden Fernet Branca Werbung über. Und da habe ich erkannt: ja, der Gandalf… man sagt er habe magische Kräfte.

Während die wehmütigen Berglandschaften noch ein wenig nachklingen kommt es zum Wiedersehen mit Bilbo. Ja leck mich am Arsch! Der ist ja verdammt alt geworden. Der hat doch erst ein paar Wochen zuvor Republikflucht begangen. … Ach ja, die im Film nicht erwähnten dreizehn Jahre machen sich hier bemerkbar. Wie konnte ich Schussel das nur vergessen.

In Bruchtal werden sodann auch eine ganze Reihe neuer Figuren vorgestellt. Elrond, der Häuptling im Lager scheint ein regelrechter Speziezist zu sein. Ständig hackt er auf den unfähigen, schwachen Menschen herum. Dabei ist er zur Hälfte selber Mensch. Gut, wird wie so vieles im Film nicht erwähnt. An der Stelle muss man dem Depp aber einen Vorwurf machen: in einer Rückblende erzählt er wie schwach die Menschen sind. Dies hätte Isildur bewiesen, als er in Elronds Beisein den Ring nicht in die Feuer des Orodruin warf, um ihn zu vernichten. Also wenn Herr Naseweis ja angeblich damals schon wusste, dass der Ring vernichtet werden muss, um all dem Treiben ein Ende zu machen, warum hat er Isildur dann nicht überwunden und den Ring selbst reingeworfen? So ein Arschloch!

Neben Gimli dem Zwerg und dem Elb Legolas, der hervorragend durch Orlando – You only need one face to act the whole film – Bloom in das Reich der Lachhaftigkeiten geführt wird, taucht noch ein weiterer Mensch auf: Boromir aus Minas Tirith. Er ist der Sohn des Truchsesses, die dort anstatt der alten Könige herrschen. Aragon ist ein Nachfahre der alten Könige. Im BUCH tat das der Kameradschaft der beiden zwar keinen Abbruch, aber im FILM tut sich Boromir sogleich als Arschgeige vom Dienst auf indem er Aragorn schneidet wo es nur geht. Da ist selbst dem letzten RTL2-Zuschauer gleich klar: Holzauge sei wachsam! Anscheinend fiel Peter Jackson auf, dass er da vielleicht schon zu viel gezeigt hat und rudert sogleich zurück indem er Boromir als tapferen Beschützer und töfte Kumpel der Hobbits zeigt. Zu spät Herr Regisseur! Verkackt is verkackt! Nebenbei bemerkt bringt der ganze Zwist zwischen Truchsess-Sohn und Streicher den Film kein Stück voran. Aus dem Fenster geschmissene Filmmeter sind das. Im Buch sind doch alle wichtigen Dialoge drin. DA STEHEN SIE DU BLINDSCHLEICHE!

Leider bleiben die Figuren Gimli und Legolas bis an das Ende der Trilogie recht blass. Dadurch dass man die durchaus interessanten sozialen Interaktionen zwischen ihnen auf ein Minimum reduzierte fehlt ihnen die Tiefe.

In Bruchtal muss der Zuschauer dann auch sogleich einen ganzen Bottich neugeschriebenen Schmalz ertragen. „Ach Aragorn!“ „Oh, Arwen, mein Stern! Lass uns gegenseitig das Taschentuch vollweinen und zeigen wie toll wir elbisch reden können!“ An der Stelle war ich fast bereit den Sissi-Filmen Zugeständnisse zu machen. Ach was solls, wenn man schon so viel Zeit verplempert hat, kann man für den Konsensgeist der Unterhaltungsindustrie noch ein bisschen mehr opfern. 
Zwischendurch hält man noch Rat darüber was nun zu tun ist und glotzt sich dabei argwöhnisch an. Elijah Wood schaut aus als würde ihm der Regisseur ständig einen Nussknacker an die Eier halten. Dass die Augen nicht wie bei einer Puppe ständig im Kreis rollen ist schon beinahe ein Wunder. Doch wer soll auf die Reise gehen? „Nehmen wir doch den Waldläufer, den Zauberer, der noch nicht einmal gezeigt hat was er auf dem Kasten hat ausser wirr daherzubrabbeln, den Zwerg, den schwulen Elb, Boromir, der nicht vertrauenswürdig ist, und die bekloppten Hobbits. Ja, nehmt sie bitte alle vier mit. In Bruchtal mag die keiner haben. So habt ihr wenigstens was zu essen dabei, wenn ihr mal fernab der Zivilisation feststecken mögt.“

Es soll gen Süden gehen, in grober Richtung Mordor, wo der Schatten droht. Nun denn, auf in die Hände gespuckt und die Besteigung des Caradras in Angriff genommen. Doch zu dumm, dass Saruman davon Wind bekommt und selbigen in Hülle und Fülle zum Berg schickt um die Gefährten zum Umkehren zu bewegen. Moment mal. Dieser von Altersflecken übersäte Flohteppich kann das Wetter im großen Maßstab manipulieren UND Monster im Kessel anrühren? Da ist es ja fast verwunderlich, dass ausgerechnet ein paar Ents ihm im nächsten Film zeigen wo der Frosch die Locken hat. Is klar, dass er dagegen natürlich in all seiner Allmacht machtlos ist. Im BUCH übrigens meint Gandalf nur, dass der Berg sich gegen sie auflehne und der Arm Mordors schon weit reiche. Im Grunde wird das Ganze ein bisschen im Unklaren gelassen.

Da es nicht über den Berg geht, muss man halt mitten durch. Das ging schon nicht am Brenner gut. Nun was solls. Eine dumme Idee muss wenigstens zelebriert werden. Die Gemeinschaft macht sich also auf zu den Toren von Moria, der Zwergenbinge, die schon lange verlassen ist. Endlich angekommen verabschiedet sich Sam überschwänglich von einem Pferd. Öhm… wo hab ich das schon mal gesehen? Ach nein, der Klepper, der bereits mal ein paar Szenen lang seit Bree zu sehen war und dann verschwand, ist mal wieder aufgetaucht. Die wichtigste Information sollte hier nicht unangepriesen bleiben: der Gaul heißt Lutz! Ja, kein Scheiss! Unbedingt merken! Das brauchen wir bestimmt noch um das Ende zu verstehen. Jetzt mal ehrlich: was soll die Szene? Die Rolle des Pferds wurde quasi amputiert um hier noch mal notdürftig an die Buchhandlung anzuketten. Das hätten wir uns auch sparen können.

Aber schön, dass er Lutz heißt. Wie gesagt: merken! Wird noch ganz wichtig!

Als man endlich Moria betritt liegt auch schon alles voller Leichen. Ach du Schreck! Äh… was machen denn die Gerippe da? Ok, vergammeln, aber das meinte ich nun nicht. Im BUCH hat man hier den intelligenteren und spannenderen Weg gewählt: keine Leichen und somit keine Ahnung was sie erwartet. Der Tod? Verderben? Jürgen Fliege? Keiner wird es je wissen, weil Peter Jackson keinen Raum für Phantasie lässt und den Zuschauer immer gleich mit dem Gesicht in den Misthaufen drückt, damit man auch ja nichts wichtiges übersieht. Oh, eine Funktion haben die Gerippe dann doch noch: man läuft panisch wieder aus Moria raus nur um festzustellen, dass da bereits Octopuss – das Grauen aus der Tiefe – auf einen wartet. Das Viech in dem See vor Moria gab es zwar auch im Buch, aber diese Stelle ist ein Paradebeispiel für Zeitverschwendung und Effektgepose. „Guckt mal, ich hab mehr Budget als ihr!“ Ach halts Maul Peter!

Oh, wegen Dr. Octopussy rennen die Gefährten dann doch lieber wieder zu den Orks nach Moria rein. Hier erwartet uns eines der wenigen Settings, die gelinde gesagt beschissen aussehen. Die große Halle, die laut Beschreibung im Buch vom Prunk und Glanz alter Zeiten gezeugt haben soll, steht voll mit … Säulen… Hinkelsteinhausen oder was? Es mag ja sein, dass das architektonisch unter Tage Sinn macht, aber die aufgereihten Säulen muten eher wie ein Holocaustmahnmal an. Breten wir lieber den Deckmantel des Schweigens über diese Szene und versuchen auch die Orks zu ignorieren, die wie Kakerlaken an den Wänden und Säulen herumkrabbeln.

Apropos Orks: wer ist für deren Design verantwortlich? Die Uruk-Hai, die wie die fiesen Ghetto-Jungs vom Streetworkerklatschen des Weges stampfen, sehen ja noch manierlich aus. Aber die normalen Orks sehen aus wie Muppets. Die Gremlinsversion der Fraggles. Geradezu putzig. Null angsteinflössend. Armer Sauron. Da wird eine ganz miese PR für dich geschoben. Die Orks im Zeichentrick sind jedenfalls gruseliger. Ach, was sag ich: Roseanne sorgt für mehr alptraumgeschädigte Nächte als DAS Kasperletheater. In Moria wird dann wieder eine Menge Zeit mit einem Höhlentroll totgeschlagen. Leider schlägt der Troll seinerseits keinen der Hobbits platt. Im BUCH wird lediglich erwähnt, dass da hinten irgendwo ein Troll ist, aber gegen den wird nicht gekämpft. Aber der Zuschauer braucht meeeeehr Action!

An dieser Stelle bitte die Fotoapparate zücken und Frodos Blick festhalten wenn ihn die Lanze trifft. Herrlich. Ein Overacting, wie es seit der Dungeons&Dragons Verfilmung nicht mehr zu sehen war. Ein Oscar bitte!

Keine Angst, das Froschlaichgesicht Frodo ist natürlich noch in einem Stück und muss in der folgenden Indiana Jones – Gedächtnisszene über bröckelnde Treppen hopsen. Es erfülle bitte jemand diese Szene mit Sinn! Keiner? Schade!

Und nun mein persönliches Highlight des ersten Teils:

Gandalf ringt mit dem Balrog, der ihn weit überragt. Die Brücke auf der er steht zerbirst unter der Macht des Istarii und er fällt in die Dunkelheit. Doch seine Feuerpeitsche wickelt sich um des Zauberers Beine und zerrt ihn ebenfalls in die Tiefe. Während seine Gestalt schwindet ruft er seinen Kameraden noch ein paar letzte Worte zu: „Flieht ihr Narren!“ und ist für immer verloren. Eine Szene voller Dramatik, Angst und Schrecken…. im BUCH. Wäre ja zu einfach diese Regieanweisung einfach mal so für den Film umzusetzen. Nein nein nein, Peter Jackson hat seine ganz eigene Interpretation der Ereignisse zusammengerührt. Endlich ist es raus: Gandalf der Graue ist – Trommelwirbel – Tusch: ein Selbstmörder! Unglaublich, was ein Vorbild! Er möge sich schämen! Was ich meine? Also im FILM gestaltet sich die Szene so: Gandalf wird kurz von der Peitsche getroffen, kommt ins Wanken und bleibt an den Resten der Brücke hängen. Er befindet sich in einer Position aus der er locker hochgezogen werden kann. Der Balrog samt Peitsche ist von dannen. Doch Gandalf hat anscheinend keine Lust mehr mit dieser Flachpfeifengang weiter unterwegs zu sein. Seiner Existenz überdrüssig wirft er sich an dieser Stelle dem Balrog hinterher und in den Tod. … Tja was ähm soll man dazu sagen? Spätestens hier offenbart sich doch, dass etwas faul ist im Staate Dänemark.

Aber Grund genug wieder ein bisschen Pipi im Auge zu haben. Nachdem sich alle brav ausgeflennt haben geht’s nach Lothlorien zu Galadriel und Celeborn. Galadriel ist übrigens ganz schön druff. Cate Blanchet zeigt uns eine LSD-Version von Galadriel. Wirre Blicke tragen die Szenen ins Nirwana der Unterhaltung. Dabei gehört diese Szene noch mit zu den am akkuratesten umgesetzten des ganzen Films.

Allerdings wird Gimlis Wandel vom Elbenhasser zum Elbenfreund hier nur sehr unzureichend dokumentiert. Hier und da darf er mal ein Sätzchen sagen damit John Rhys Davies nicht vollends zum stummen Mitglied der Gruppe verkommt.

Am Ende, so weiss der Buchkenner, geht es noch mal so richtig ab. Boromir versucht Frodo den Ring abzuluchsen, Frodo beschließt alleine nach Mordor zu gehen und versucht sich davonzustehlen und Boromir wird als er Merry und Pippin zu schützen versucht dahingemeuchelt. Auch hier macht Jackson sich selber das Leben schwer. Anstatt dass Frodo sich einfach ab macht, muss er im Film erst noch der halben Crew über den Weg laufen und sich erklären, bevor er endlich bei den Booten ankommt. Dann legt man noch eine dramatische Szene drauf, in der Sam fast absäuft, als er seinem Herrn folgen will. Ein Blick auf die Uhr, ein Seufzen und wir akzeptieren, dass wieder unnötig Zeit draufgegangen ist. Witzig übrigens, dass Sams Klamotten sofort trocken sind, wenn er im Boot sitzt.

Für die Hobbits darf Boromir allerdings doch noch abkratzen. Mit zwei lächerlichen Pfeilen in der Brust… im BUCH wurde er geradezu von Pfeilen gespickt, bis er endlich aufgab. An dieser Stelle bitte den „Super-Perforator-Song“ einspielen! Danke!

Und dieses „Möööp möööp mööp!“ Getröte… DAS soll ein Kriegshorn sein? Hallo! Der Ton sollte dem Gegner Angst einjagen und keine Lachkrämpfe auslösen!

Während Boromir Aragorn noch ein paar Worte entgegen hauchen darf und er im Gegenzug ein Küsschen auf die Stirn bekommt, frage ich mich, warum ich für meinen Strick keinen Querbalken in der Wohnung habe.

Abschliessendes Fazit für den ersten Teil: von den Schauspielern machen nur Ian McKellen und Sean Bean ihre Arbeit von A bis Z überzeugend. Der Soundtrack dudelt so vor sich hin, die Landschaftsszenen sind atemberaubend, die Story vergewaltigt und eine Menge CGI verbastelt worden.

So gesehen gehört Herr der Ringe zu den dickbrüstigen Edelhuren unter den Buchadaptionen, die sich beim Ausziehen leider als Mann herausstellen.

2 von 10 Totschlagargumenten

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